Du verdienst als Camgirl oder Online Model regelmäßig Geld und fragst dich, ob du dafür ein Gewerbe anmelden und Steuern zahlen musst? Spätestens wenn aus dem Ausprobieren eine echte Einnahmequelle wird, solltest du dich mit diesen Fragen beschäftigen.
In Deutschland werden Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit nicht dadurch steuerfrei, dass sie über eine Webcam-, Creator- oder Amateurplattform ausgezahlt werden. Entscheidend sind deine tatsächliche Tätigkeit, deine Einnahmen und deine persönliche steuerliche Situation.
Muss ich als Camgirl ein Gewerbe anmelden?
Ob deine konkrete Tätigkeit rechtlich als Gewerbe einzuordnen ist, hängt von den tatsächlichen Umständen ab. Eine regelmäßig, selbstständig und mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübte Online-Tätigkeit wird jedoch häufig gewerblichen Charakter haben.
Die Aufnahme eines Gewerbebetriebs muss in Deutschland grundsätzlich bei der zuständigen Gemeinde beziehungsweise dem Gewerbeamt angezeigt werden.
Wenn du unsicher bist, solltest du die Einordnung vor dem Start mit deinem Gewerbeamt, Finanzamt oder einer Steuerberatung klären.
Ab wann sollte ich mich um die Anmeldung kümmern?
Nicht erst dann, wenn bereits hohe Einnahmen entstanden sind.
Wenn du die Tätigkeit planmäßig beginnst und Geld verdienen möchtest, solltest du die organisatorischen und steuerlichen Fragen möglichst von Anfang an klären.
Das hat einen großen Vorteil: Du kannst Einnahmen und Ausgaben vom ersten Tag an sauber dokumentieren.
Wie läuft eine Gewerbeanmeldung grundsätzlich ab?
Die konkrete Anmeldung erfolgt bei der für deinen Wohn- beziehungsweise Betriebssitz zuständigen Stelle.
Typischerweise werden Angaben benötigt wie:
- deine persönlichen Daten,
- Beginn der Tätigkeit,
- Anschrift,
- und eine Beschreibung deiner Tätigkeit.
Die genaue Formulierung solltest du wahrheitsgemäß und passend zu deiner tatsächlichen Tätigkeit wählen. Eine unnötig detaillierte öffentliche Beschreibung privater Inhalte ist nicht automatisch erforderlich.
Was passiert nach der Gewerbeanmeldung?
Nach Aufnahme einer gewerblichen oder selbstständigen Tätigkeit folgt zusätzlich die steuerliche Erfassung.
Der sogenannte Fragebogen zur steuerlichen Erfassung wird elektronisch übermittelt und ist auch über Mein ELSTER verfügbar.
Darin fragt das Finanzamt unter anderem nach:
- Art deiner Tätigkeit,
- voraussichtlichen Umsätzen,
- voraussichtlichem Gewinn,
- Bankverbindung,
- Umsatzsteuer,
- und weiteren steuerlichen Angaben.
Welche Steuern können für ein Camgirl relevant sein?
Mehrere Steuerarten können eine Rolle spielen. Sie dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Einkommensteuer
Für die Einkommensteuer ist grundsätzlich dein steuerlicher Gewinn relevant – also vereinfacht gesagt deine betrieblichen Einnahmen abzüglich der anerkannten betrieblichen Ausgaben.
Wie hoch deine tatsächliche Einkommensteuer ausfällt, hängt nicht allein von deinem Camgirl-Umsatz ab, sondern von deiner gesamten persönlichen steuerlichen Situation.
Umsatzsteuer
Die Umsatzsteuer ist ein eigenes Thema und nicht dasselbe wie Einkommensteuer.
Für kleinere Unternehmen kann unter bestimmten Voraussetzungen die Kleinunternehmerregelung infrage kommen.
Gewerbesteuer
Wenn deine Tätigkeit gewerbesteuerpflichtig ist, kann zusätzlich Gewerbesteuer relevant werden.
Natürliche Personen und Personengesellschaften haben derzeit einen Freibetrag von 24.500 Euro Gewerbeertrag. Erst der darüber hinausgehende Gewerbeertrag wird für diesen Freibetrag berücksichtigt.
Das bedeutet aber nicht, dass Einnahmen unterhalb dieses Betrags generell steuerfrei sind. Einkommensteuer und Umsatzsteuer sind davon getrennt zu betrachten.
Was ist die Kleinunternehmerregelung?
Die Kleinunternehmerregelung betrifft die Umsatzsteuer.
Nach der derzeit geltenden Fassung von § 19 UStG kann die Steuerbefreiung für Kleinunternehmer genutzt werden, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Kalenderjahr 100.000 Euro nicht überschreitet.
Diese Grenzen können sich gesetzlich ändern. Deshalb solltest du vor einer Entscheidung immer die aktuell geltende Rechtslage prüfen.
Wichtig: Die Kleinunternehmerregelung bedeutet nicht, dass deine Gewinne einkommensteuerfrei sind.
Umsatz und Gewinn sind nicht dasselbe
Dieser Unterschied ist besonders wichtig.
Umsatz sind grundsätzlich deine betrieblichen Einnahmen vor Abzug deiner Kosten.
Gewinn ergibt sich vereinfacht aus:
Betriebseinnahmen – Betriebsausgaben = Gewinn
Beispiel:
Du erhältst innerhalb eines Jahres 12.000 Euro an Auszahlungen und hast 2.000 Euro steuerlich anerkannte betriebliche Ausgaben.
Dann läge dein rechnerischer Gewinn in diesem vereinfachten Beispiel bei 10.000 Euro.
Ob jede einzelne Ausgabe tatsächlich abziehbar ist, hängt von ihrer betrieblichen Veranlassung und deiner individuellen Situation ab.
Welche Einnahmen muss ich erfassen?
Grundsätzlich solltest du sämtliche betrieblichen Einnahmen dokumentieren.
Dazu können – abhängig von deinem jeweiligen Portal – beispielsweise gehören:
- Plattformauszahlungen,
- Livecam-Einnahmen,
- Video- oder Content-Einnahmen,
- vergütete Nachrichten,
- Telefonangebote,
- Trinkgelder oder virtuelle Vergütungen,
- Affiliate-Einnahmen,
- und weitere Einnahmen aus deiner Modeltätigkeit.
Entscheidend ist nicht, ob das Geld von einem klassischen Arbeitgeber stammt. Auch Plattformauszahlungen können steuerlich relevante Betriebseinnahmen sein.
Welche Ausgaben können betrieblich relevant sein?
Ausgaben können steuerlich berücksichtigt werden, wenn sie betrieblich veranlasst und nachweisbar sind.
Je nach persönlicher Situation können beispielsweise infrage kommen:
- Webcam oder Kamera,
- Mikrofon,
- Beleuchtung,
- Computer oder Laptop,
- Smartphone,
- Software,
- Internetkosten,
- Arbeitsmaterial,
- Steuerberatung,
- Werbung,
- und weitere tatsächlich betriebliche Kosten.
Bei Gegenständen oder Kosten, die du gleichzeitig privat nutzt, kann eine Aufteilung erforderlich sein.
Kann ich Kleidung, Kosmetik oder Einrichtung absetzen?
Hier solltest du besonders vorsichtig sein.
Nicht alles, was du während deiner Modeltätigkeit verwendest, ist automatisch eine steuerlich abzugsfähige Betriebsausgabe.
Gegenstände, Kleidung oder Kosmetik können auch privat nutzbar sein. Ob und in welchem Umfang ein Abzug möglich ist, hängt von den steuerlichen Voraussetzungen des Einzelfalls ab.
Im Zweifel solltest du solche Positionen mit deiner Steuerberatung abstimmen, statt sie pauschal als Betriebsausgabe anzusetzen.
Brauche ich ein separates Geschäftskonto?
Ein separates Konto kann organisatorisch sehr sinnvoll sein, auch wenn es für ein Einzelunternehmen nicht in jeder Konstellation zwingend vorgeschrieben sein muss.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- private und geschäftliche Zahlungen bleiben getrennt,
- Plattformauszahlungen sind einfacher nachvollziehbar,
- Belege lassen sich leichter zuordnen,
- und deine Buchhaltung wird übersichtlicher.
Wie dokumentiere ich meine Einnahmen?
Speichere die Abrechnungen und Auszahlungsnachweise deiner Plattformen regelmäßig.
Sinnvoll ist beispielsweise eine monatliche Ablage mit:
- Plattformabrechnungen,
- Bank- oder Zahlungsdienstleister-Nachweisen,
- Rechnungen für betriebliche Anschaffungen,
- laufenden Kosten,
- und einer Übersicht deiner Einnahmen.
Verlasse dich nicht darauf, dass eine Plattform deine Daten unbegrenzt und dauerhaft für dich aufbewahrt.
Muss ich Rechnungen an die Plattform schreiben?
Das hängt vom konkreten Abrechnungsmodell ab.
Einige Plattformen erstellen eigene Abrechnungen oder arbeiten mit Gutschriften, andere Modelle können anders aufgebaut sein.
Deshalb solltest du bei jedem Portal prüfen:
- Wer gilt als dein Vertragspartner?
- Wer rechnet gegenüber wem ab?
- Erhältst du eine Gutschrift oder Abrechnung?
- Wo sitzt das Unternehmen?
- Welche umsatzsteuerlichen Angaben werden benötigt?
Gerade bei ausländischen Plattformbetreibern kann das Umsatzsteuerrecht komplizierter werden.
Was ist bei ausländischen Plattformen wichtig?
Viele große Online-Plattformen haben ihren Unternehmenssitz nicht zwingend in Deutschland.
Dadurch können zusätzliche umsatzsteuerliche Fragen entstehen – beispielsweise zum Leistungsort, zu Unternehmergeschäften innerhalb der EU oder zu besonderen Meldepflichten.
Hier solltest du nicht einfach eine steuerliche Behandlung aus einem deutschen Standardbeispiel übernehmen.
Wenn erhebliche oder regelmäßige Einnahmen über ausländische Plattformen entstehen, ist professionelle steuerliche Beratung besonders sinnvoll.
Brauche ich eine Umsatzsteuer-ID?
Ob du eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer benötigst, hängt unter anderem davon ab, mit wem du Leistungen abrechnest und wo der jeweilige Vertragspartner sitzt.
Bei grenzüberschreitenden Geschäften innerhalb der EU kann sie relevant werden.
Die Kleinunternehmerregelung beantwortet diese Frage nicht automatisch für jede Konstellation.
Was ist eine EÜR?
Viele kleinere Selbstständige ermitteln ihren Gewinn über eine Einnahmenüberschussrechnung – kurz EÜR.
Dabei werden vereinfacht die betrieblichen Einnahmen den betrieblichen Ausgaben gegenübergestellt.
Die Anlage EÜR kann elektronisch übermittelt werden.
Welche Form der Gewinnermittlung für dich vorgeschrieben oder geeignet ist, hängt von deiner Unternehmensform und deiner konkreten Situation ab.
Camgirl als Nebenjob: Muss ich trotzdem Steuern beachten?
Ja. Eine Tätigkeit wird nicht automatisch steuerlich irrelevant, nur weil du sie neben einem Hauptberuf ausübst.
Einnahmen aus einer zusätzlichen selbstständigen Tätigkeit können deine gesamte steuerliche Situation beeinflussen.
Gerade bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis solltest du außerdem prüfen, ob dein Arbeitsvertrag Regelungen zu Nebentätigkeiten enthält.
Mehr zum Einstieg als Nebentätigkeit findest du auch hier:
→ Camgirl Verdienst: Wie viel ist realistisch?
Was passiert, wenn ich nur sehr wenig verdiene?
Auch kleine Einnahmen solltest du dokumentieren.
Ob tatsächlich Steuer entsteht, ist eine andere Frage als die Frage, ob Einnahmen erklärt oder eine Tätigkeit angemeldet werden muss.
Deshalb ist die Aussage „Unter Betrag X muss ich gar nichts machen“ meistens zu pauschal.
Was sollte ich direkt zum Start erledigen?
- Klare Beschreibung deiner Tätigkeit festlegen.
- Prüfen, ob eine Gewerbeanmeldung erforderlich ist.
- Steuerliche Erfassung erledigen.
- Separates Ablagesystem einrichten.
- Plattformabrechnungen regelmäßig sichern.
- Einnahmen und Ausgaben vom ersten Tag an erfassen.
- Umsatzsteuerliche Behandlung klären.
- Bei ausländischen Plattformen Vertragspartner prüfen.
- Bei Unsicherheit Steuerberatung einbeziehen.
Welche Plattformen kannst du als Model nutzen?
Wenn du die organisatorischen Grundlagen geklärt hast, kannst du dir die verschiedenen Modelportale ansehen.
VISIT-X / VXModels
VISIT-X beziehungsweise VXModels kombiniert Livecam mit weiteren Möglichkeiten rund um Content und Community.
MyDirtyHobby
MyDirtyHobby ist stärker als Amateur-Community ausgerichtet und verbindet unterschiedliche Content- und Kommunikationsbereiche.
BIG7
Auch BIG7 bietet einen Einstieg als Model beziehungsweise Amateurin.
Gewerbe und Steuern solltest du nicht erst dann prüfen,
wenn bereits größere Auszahlungen eingegangen sind.
Wenn deine Grundlagen geklärt sind, kannst du dir die aktuellen Modelzugänge ansehen.
- VISIT-X / VXModels für Cam und direkte Interaktion
- MyDirtyHobby für Amateur-Community und Content
- BIG7 als weitere Modelplattform
- Abrechnungen und Einnahmen von Beginn an dokumentieren
MyDirtyHobby Amateur-Anmeldung →
Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick für Deutschland
und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung.
Checkliste: Gewerbe und Steuern beim Camgirl-Start
- ☐ Tätigkeit richtig einordnen
- ☐ Gewerbeanmeldung prüfen
- ☐ Steuerliche Erfassung erledigen
- ☐ Kleinunternehmerregelung prüfen
- ☐ Einnahmen vollständig dokumentieren
- ☐ Betriebsausgaben mit Belegen sichern
- ☐ Plattformabrechnungen speichern
- ☐ Vertragspartner und Unternehmenssitz prüfen
- ☐ Umsatzsteuer-ID prüfen
- ☐ Rücklagen für mögliche Steuern bilden
Camgirl Gewerbe & Steuern: Unser Fazit
Steuern und Gewerbe gehören nicht zu den spannendsten Seiten des Online Modelings – ignorieren solltest du sie trotzdem nicht.
Wenn du deine Tätigkeit von Anfang an ordentlich organisierst, werden viele Dinge später deutlich einfacher.
Besonders wichtig sind eine korrekte Einordnung deiner Tätigkeit, die steuerliche Erfassung und eine saubere Dokumentation von Einnahmen und Ausgaben.
Je früher du diese Grundlagen klärst, desto weniger musst du später rekonstruieren.
Häufige Fragen zu Camgirl Gewerbe und Steuern
Muss ich als Camgirl ein Gewerbe anmelden?
Eine regelmäßig selbstständig und mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübte Tätigkeit kann gewerblich einzuordnen sein. Die konkrete Einordnung solltest du bei Unsicherheit mit Gewerbeamt, Finanzamt oder Steuerberatung klären.
Muss ich als Camgirl Einkommensteuer zahlen?
Gewinne aus einer selbstständigen Tätigkeit können einkommensteuerlich relevant sein. Wie hoch eine tatsächliche Steuerbelastung ist, hängt von deiner gesamten persönlichen steuerlichen Situation ab.
Was bedeutet Kleinunternehmer?
Die Kleinunternehmerregelung betrifft die Umsatzsteuer. Nach derzeitiger Rechtslage gelten dafür unter anderem Umsatzgrenzen von 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Kalenderjahr.
Ab wann fällt Gewerbesteuer an?
Für natürliche Personen und Personengesellschaften besteht derzeit ein Freibetrag von 24.500 Euro Gewerbeertrag. Das ist kein allgemeiner Steuerfreibetrag für sämtliche anderen Steuerarten.
Kann ich Webcam und Computer von der Steuer absetzen?
Betrieblich veranlasste Kosten können grundsätzlich relevant sein. Bei gemischter privater und betrieblicher Nutzung kann jedoch eine Aufteilung notwendig werden.
Brauche ich einen Steuerberater?
Es besteht nicht in jeder Situation zwingend eine Pflicht, einen Steuerberater zu beauftragen. Bei regelmäßigen Einnahmen, hohen Beträgen oder ausländischen Plattformbetreibern kann professionelle Beratung jedoch sehr sinnvoll sein.